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„Wir verändern die Welt durcheinander.“

Interview mit Friederike Habermann
gemeine stadt: Unruhe/n, Dez. 2023

Sabrina Dittus: Liegt Unruhe in der Luft? Und wenn ja, wie würdest Du sie beschreiben?

Friederike Habermann: Auf jeden Fall spüre ich Unruhe. Aber nicht bei allen ist es die Panik, zu der uns Greta Thunberg schon vor Jahren aufgerufen hat. Bei vielen vermute ich eine innere Unruhe, die darin gründet, eigentlich zu wissen, dass die Katastrophe da ist, aber nicht zu wissen, was zu tun ist, und deshalb ganz still zu halten.

Vorträge beginne ich derzeit oft mit einem Video-Standstill, das eine Hamburger Fähre zeigt in dem Moment, als durch die zerborstenen Fenster sich bereits eine riesige Flutwelle in den Passagierraum ergießt und noch alle dasitzen und in ihre Bücher oder Smartphones schauen, als sei nichts passiert. Dieses Foto ist für mich zum Sinnbild unserer heutigen Situation geworden.

Laut Donna Haraway ist es „unsere Aufgabe, Unruhe zu stiften, zu wirkungsvollen Reaktionen auf zerstörerische Ereignisse aufzurütteln“. Stimmst Du mit ihr überein, und inwiefern beschreibt das Deine Agenda als Aktivistin?

Auf jeden Fall möchte ich zu wirkungsvollen Reaktionen auf zerstörerische Ereignisse anregen! Das nennt man auch agitieren, nicht wahr? Im Spanischen steht agitar dafür, entweder etwas zu schwenken, zu schwingen oder jemanden zu rütteln, zu schütteln oder halt aufzuwiegeln. Ja, das sind alles Formen von Unruhe stiften. Und ich glaube, wenn wir aktiv werden, dann ist es fundamental wichtig, die Menschen dabei mit in eine Bewegung des Aufbruchs zu bringen, die ihrer inneren Unruhe ermöglicht, nach Außen aktiv zu werden.

Doch was mich derzeit wirklich fasziniert, ist der Begriff AUFHÖREN, wie ihn Marianne Gronemeyer benutzt. Martin Kirchner und Hemma Rüggen von den Pioneers of Change schrieben, davon inspiriert, kürzlich darüber, wie schwer es ist, von alten Gewohnheiten loszukommen; dass diese wie eine Sucht sein können. Und dass auch das kollektive Aufhören schwierig ist: aufhören, Böden zu versiegeln, fossile Brennstoffe zu nutzen oder alte Freund-Feind-Schemata zu bedienen. Doch wenn wir mit dem AUFhören beginnen würden, werde innerlich Raum für ein anderes AufHÖREN: auf das, was uns das Leben sagen will, auf das, was wirklich wesentlich ist. Wenn wir also AUFHÖREN, könne sich zeigen, was anfangen will … (Auszug).

Das ganze Interview zum Nachlesen bei gemeine stadt.